Geschichte

Vom Einsiedler Meierhof zum schmucken Wohndorf

Seit man auf der Halbinsel „Risi“ Reste von Pfahlbauersiedlungen fand, weiss man’s: Die ersten Boniswiler hausten dort. Und wohl auch in den damals vom Hallwilersee überfluteten Riedgebieten des Boniswiler- und Alliswiler Mooses. Zwar fehlen bis heute entsprechende Beweise, aber Sondiergrabungen erhärten die Vermutung auf weitere, ausgedehnte Pfahlbauersiedungen in diesem Gebiet.

Graue Vorzeiten

Aus der Vor- und Frühgeschichte des Dorfes selbst, das wohl auf eine alemannische Siedlung zurückgeht, sind keine Funde bekannt. Erstmals taucht 1220 im Einsiedler Urbar der Name Boniswile (später Bonoswiler) auf, und zwar im Zusammenhang mit dem Hof Hüsern, dem heutigen Schwaderhof bei Alliswil. In Boniswil selbst bestand damals ein Meierhof des Klosters Einsiedeln, der ein eigentliches Verwaltungszentrum für die umfangreichen Güter des Klosters in dieser Gegend gewesen sein muss. Drei Viertel aller Bodenzinse aus der Region gingen nämlich an den Einsiedler-Hof nach Zürich, und bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatten die Boniswiler diesen „Zehnten“ zu entrichten, wobei ihnen spezielle Rechte gegenüber anderen Gemeinden zustanden. Früher dürfte Boniswil eine geschlossene Besitzung der Freiherren von Wolhusen gewesen sein, kam es doch um 1070/90 im Rahmen ausgedehnter Schenkungen des Abtes Seliger von Wolhusen zum Kloster Einsiedeln.

Von der Lenzburg zur Berner Herrschaft

Die weltliche Herrschaft wurde von den Lenzburger Grafen ausgeübt. 1173 traten die Kyburger an deren Stelle und 1264 fiel Boniswil an die Habsburger, die auch das Blutgericht über die Gemeinde ausübten. Ähnlich verlief die Geschichte in Alliswil (um 1300 Alaswiler), das als grosser Hof verschiedenen Grundherren gehörte und ein Bestandteil der Herrschaft Hallwil war. Erst 1898 wurde das kleine und bis dahin eigenständige Dorf mit Boniswil vereinigt. Das Niedergericht (Twing und Bann) hatten in Boniswil bereits im 13. Jahrhundert die Herren von Trostburg inne, um die Mitte des 14. Jahrhunderts fiel dieses Recht durch Erbschaft an die Herren von Rinach, und 1486 veräusserten diese die gesamte Herrschaft Trostburg an die Herren von Hallwil, denen es gelungen war, die meisten grundherrlichen Rechte in der Gegend zu erwerben. 1616 gingen Boniswil und Alliswil schliesslich an Bern. Während Alliswil kirchlich immer zur Pfarrei Seengen gehörte, war der ursprünglich bedeutendere Siedlungsteil von Boniswil im Oberdorf (1559: 6 bewohnte Feuerstätten) zunächst nach Leutwil kirchgenössig. Der Dorfteil an der Talstrasse (3 bewohnte Feuerstätten) gehörte zur Pfarrei Seengen, und als sich schliesslich nur die Siedlung entlang der Strasse weiter entwickelte, wurde später auch der obere Dorfteil nach Seengen umgepfarrt.

St. Blasius-Kapelle in der "Chappele"

Wie hoch man die Bedeutung des Hofes Boniswil im Mittelalter einschätzte erhellt daraus, dass im heutigen Dorfteil „Chappele“ früher eine dem Hl. Blasius geweihte Kapelle stand, die 1370 erstmals erwähnt wird. Tatsächlich dürfte sie aber noch wesentlich älter gewesen sein, liest man doch 1376, Thüring von Hallwil habe die Kapelle „neuwlich widder gebuwet“. Noch anno 1490 las der Leutpriester von Seengen wöchentlich hier eine Messe. Nach der Reformation wurde die kleine Kirche in ein Wohnhaus umgewandelt. Schon im Jahre 1429 ist in Boniswil auch eine Mühle und ein Trottengebäude im Oberdorf bezeugt. In dieser Gegend befand sich auch die Kapelle und der Einsiedler Meierhof. Im Laufe der Jahre scharten sich mehr Häuser um die zum Teil heute noch bestehenden Gebäude und bildeten so, hart an der Dorfgrenze zu Hallwil, die eigentliche Kernzone der Gemeinde Boniswil. Erst später entstanden als Aussensiedlungen die Dorfteile Pfaffenhalde und Eichholz.

Fast ein Dutzend Pinten und Tavernen

Interessant ist auch ein Blick in die „Wirtschaftsgeographie“ der Gemeinde, die um die Jahrundertwende zeitweise über nicht weniger als elf Wirtschaften verfügte. So stand im Oberdorf die „Sonne“ (heute Landwirt Roth), 50 Meter weiter unten am Bach gab es eine weitere Bauernwirtschaft, in der heutigen Weinhandlung Rutishauser befand sich der „Löwen“, nebenan der „Ochsen“ und in der „Chappele“ lud der „Sternen“ die Durstigen zur Einkehr ein. Im Dorf gab es die Wirtschaft und Bäckerei Obrist und weiter unten gerade noch einmal eine, und im Schachen (Depot Eichhof) stand die Pintenwirtschaft „Frohsinn“, während unmittelbar daneben „s’Spieswirts“ wirteten. Kein Wunder, dass bei soviel Gastlichkeit Alliswil nicht zurückstehen wollte und auch noch zwei Wirtschaften beisteuerte. Eine davon „de Hapi“, stand beim heutigen "Seeblick".

Zentrum der Tuchmacher im Seetal

Seine wohl grösste Bedeutung erlangte Boniswil Ende des 18. Jahrhunderts, als es sich vom Bauerndorf zu einem wichtigen Umschlagplatz für die Baumwollindustrie entwickelte. Die Heimarbeiter brachten Verdienst und wirtschaftlichen Aufschwung, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren im Dorf über 500 Spinner und 159 Weber mit der Herstellung farbiger Tücher beschäftigt, deren Produktion auf rund 4000 Stück pro Jahr anstieg. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam als neuer Zweig die Strohflechterei hinzu und verdrängte schliesslich die Tuchweberei fast ganz. Später, mit der Eröffnung der Seetalbahn anno 1883, hielt die Tabakindustrie Einzug, und schliesslich kamen eine Bonbons- und Biscuitsfabrik, drei Kistenfabriken und eine Anzahl kleinere Unternehm hinzu.

Entwicklung zur beliebten Wohngemeinde

Zu Beginn unseres Jahrhunderts verlief die Expansion im Dorf eher gemächlich. 1903 baute die Gemeinde ein neues Schulhaus – das alte stand an der Seengerstrasse und ist heute ein Wohnhaus -, und erst 34 Jahre später gab es auch eine Turnhalle. 1931 musste der alte Bahnhof Boniswil-Seengen einem grösseren Stationsgebäude weichen. Die entscheidende Weiche für die Entwicklung Boniswils zu einer der beliebtesten Seetaler Wohngemeinden wurde gestellt, als die Ortsbürger 1929 die Rodung des Eichholz beschlossen. Dabei wurde zunächst nur an die landwirtschaftliche Nutzung gedacht, konnten doch Interessenten damals vier Aren gratis bebauen, sofern sie das Land urbar machten. Erst in den 50er Jahren setzte dann die eigentliche „Entdeckung“ des Neuquartiers ein, und heute ist das „Dörflein im Dorf“ schon praktisch ausgebucht und dehnt sich immer mehr gegen Süden aus, wo im „Mättli“ der Bach vorerst eine Grenze setzt. Weitere bevorzugte Neubaugebiete sind die "Halden" und der Seeweg Alliswil, wo ebenfalls viele neue Einfamilienhäuser entstanden.